Welche Fähigkeiten bestimmen die Schulreife?
 

Die Schulanfänger freuen sich meistens schon auf die Schule, auch wenn manchmal ein bisschen Angst vor dem Ungewissen dabei ist. Die Kinder haben sehr unterschiedliche Voraussetzungen bezüglich ihrer Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse. Sie haben sechs Jahre gehört, gesprochen, geschaut, gerochen und gefühlt. Jetzt soll das Kind einen Entwicklungsstand erreicht haben, der es ermöglicht, sich neue Kulturtechniken in der Schule anzueignen. Buchstaben und Ziffern nachmalen ist noch kein Zeichen für Schulreife. Dazu gehört mehr!
 

Zur körperlichen Schulreife (Grobmotorik, Gleichgewicht, Sehen, Hören, Sprechen) kommt die sozialemotionale Komponente (Gruppenfähigkeit, Arbeitshaltung, Aufgabenverständnis) und das Kognitive (Voraussetzungen für Lesen, Schreiben und Mengen).
 

Die Schulanfänger beginnen mit sehr unterschiedlichen Vorerfahrungen ihre Laufbahn. Unter deren Berücksichtigung muss auf den einzelnen Schüler individuell eingegangen werden. Wie weit erfüllt das Kind die Kriterien für die Schulreife? Wo muss noch geübt und verbessert werden?
 

Die folgende unvollständige Auflistung ist für Sie eine kleine Hilfe zur Vorbereitung des Kindes auf die Schule. Immerhin ist noch fast ein Jahr Zeit..
 

KÖRPERLICH
Grobmotorik
  • Treppensteigen – Beine abwechselnd verwenden
  • Ball aufschlagen und wieder fangen
  • Körperstellungen nachmachen
  • aus dem Sitz ohne Hilfe der Hände aufstehen
  • beim Stand auf einem Bein das Gleichgewicht halten
  • ohne Gebrauch der Hände hinknien und aufstehen
  • den Lauf auf ein optisches / akustisches Zeichen stoppen
Feinmotorik
  • allein Kleidung aus- und anziehen
  • eine Masche binden
  • einfache Verschlüsse öffnen und schließen
  • Perlen (Kugeln) auffädeln
  • Messer und Gabel richtig benützen
  • Fingerspiele nachmachen
  • mit der Schere entlang einer Linie schneiden
  • waagrechte und senkrechte Striche auf eine Zeile setzen
Kinästetischer Bereich
  • taktile Reize (Geräusche,...) mit geschlossenen Augen lokalisieren
  • verschiedene Stellen am Körper richtig zeigen
  • verschiedene Materialien mit geschlossenen Augen erkennen und benennen
  • verschiedenen einfache Formen nur mit den Händen begreifen und erkennen
 
KOGNITIV (durch Denken)
Aufmerksamkeit
  • aus Bildern und Geräuschen herausfiltern, was gesucht wird
  • Details aus Bildern beschreiben
  • einen Weg aus dem Labyrinth suchen
  • überkreuzte Linien auseinanderhalten
  • Versteckbilder
  • abpausen
  • Geschichte neben Geräuschkulisse erzählen
Optische u. akustische Differenzierung
  • Dinge unterscheiden, die ähnlich sind
  • einfache Figuren auf Raster übertragen
  • Fehlersuch-Bilder
  • ähnlich klingende Wörter unterscheiden
  • übereinander liegende Figuren unterscheiden
Merkfähigkeit
  • Spiel: „Ich packe in meinen Rucksack...“
  • Geschichten erfinden
  • Figuren, Formen und Farben zuordnen
  • Inhalt aus vorgelesenem Text merken
Serialität (=sinnvolle Reihenfolge)
  • Einzelbilder in die richtige Reihenfolge bringen
  • Abläufe sinnlogisch darstellen
  • Erlebnisse erzählen
  • Muster fortsetzen und fertig stellen
Raumorientierung
  • Erfassen räumlicher Beziehungen (oben, unten, links, rechts, vorne, hinten, auf,...)
  • Hampelmann-Springen
  • Linien nachzeichnen
SOZIAL-EMOTIONAL (Kind in Gruppe)
Gruppenfähigkeit
  • Kind kann mit anderen sprechen
  • es reagiert nicht verschüchtert, wenn es angesprochen wird
  • es kann eine Leitungsrolle akzeptieren
  • es kann Rücksicht nehmen
  • es kann anderen helfen
  • es kann Regeln befolgen
Emotionale Stabilität
  • Kind ist nicht rasch enttäuscht
  • es kann verlieren
  • es kann Misserfolg ertragen
  • es kann sich am Erfolg freuen
  • es benötigt nicht dauernd Zuspruch
  • es wagt sich an unbekannte Aufgaben
  • es kann sich angemessen und verständlich äußern
Arbeitshaltung
  • Kind kann alltägliche Aufgaben allein erledigen
  • es führt seine Aufgaben zügig durch
  • es arbeitet nicht nur bei intensiver und dauernder Anleitung
  • es kann Gespräche aufmerksam verfolgen
  • es versteht und führt kurze Anweisungen aus
  • es kann sinnrichtig antworten
Noch einige Tipps:
  • Üben Sie spielerisch und gezielt, um dem Kind den Schulstart zu erleichtern! Sprechen Sie öfters mit Ihrer Kindergärtnerin!
  • Vereinbaren Sie Regeln und Abmachungen so, dass Sie und Ihre Kind diese auch einhalten können! Seien Sie konsequent!
  • Reden Sie öfters mit dem Kinde positiv über die Schule. Neugierig machen und ermuntern statt Angst machen und drohen („Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ oder „Na warte, wenn du in die Schule kommst“, ...)
  • Übertragen Sie nicht Ihre eigenen Kinder-Ängste vor der Schule auf Ihr Kind! („Wenn das Kind auch so wird wie ...“)
  • Übertragen Sie nicht Ihre eigenen Erfahrungen auf Ihr Kind! („Diese Lehrerin  ...“)
  • Setzen Sie nicht Erwartungen in Ihr Kind, die es vielleicht nicht erfüllen kann! („Aber mein Kind soll und muss besser...“)
  • Kaufen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Schulsachen ein und benennen Sie mit ihm immer wieder die Dinge, Farben und Formen in der Schultasche, in der Mappe oder Federnschachteln!
  • Gehen und besprechen Sie den Schulweg, den Weg zur Haltestelle mit wichtigen Gefahrenstellen - und das Verhalten in der Gruppe! Beobachten Sie andere Verkehrsteilnehmer und bewerten Sie deren Verhalten! Seien Sie ein positives Vorbild! 

Reif für die Schule ?

Sie brauchen Ihrem Kind jetzt nicht die Buchstaben und das Zählen bis 100 lernen.
Das macht die Schulreife nicht aus.
Einige ganz konkrete und einfache Tipps zum regelmäßigen Überprüfen und Trainieren
Sie haben nach der Schuleinschreibung fast noch ein Jahr Zeit.
Verteilen Sie alles auf kleine Portionen. 
 

  • Sind die Sinnesorgane des Kindes intakt? Hört und sieht es gut?
  • Kann sich das Kind von zu Hause trennen und den Vormittag in einer neuen Umgebung mit vielen anderen Kindern verbringen?
  • Ist es den dauernden und längeren Kontakt zu anderen Kindern gewöhnt? Kann es sich in eine Gruppe einfügen?
  • Kann es seine Bedürfnisse so klar äußern, dass es verstanden wird? Kann es sich behaupten?
  • Kann es über einen längeren Zeitraum allein oder mit anderen Kindern spielen?
  • Kann es sich selbständig aus- und anziehen?
  • Kann es Ordnung halten, erkennt und findet es seine eigenen Sachen wieder?
  • Räumt es die Spielsachen, ... allein wieder weg?
  • Kann es mit schulischem Handwerkszeug (Stiften, Schere, Papier) umgehen?
  • Bewegt sich das Kind mühelos?
  • Geht es die Stiegen sicher hinauf und hinunter?
  • Kann es für 10 Sekunden auf einem Bein stehen oder auf einem Bein balancieren?
  • Kann es bei Tisch ruhig sitzen bleiben?
  • Stört es ständig, wenn sie ein Gespräch führen oder telefonieren?
  • Fällt es anderen ins Wort und spricht dann sehr laut?
  • Kann es zuhören und warten?
  • Ist es in der Lage, sich für eine Weile auf eine Sache zu konzentrieren?
  • Bleibt es längere Zeit bei einem Spiel oder fängt es laufend etwas Neues an?
  • Ermüdet es sehr schnell? Klagt es häufig über Langeweile oder Lustlosigkeit?
  • Gibt es bei Misserfolg sofort auf oder knobelt es so lange, bis eine Lösung gefunden ist?
  • Traut es sich an neue Situationen heran oder hängt es in fremder Umgebung ständig an Ihrem Rockzipfel?
  • Wird es mit Auseinandersetzungen gut fertig? Gibt es leicht nacht, schlägt es schnell zu oder vertratscht es häufig?
  • Kann es für bestimmte Aufgaben Verantwortung übernehmen? (Eine Weile auf den kleinen Bruder aufpassen oder täglich den Hamster füttern)
  • Ist es neugierig auf die Schule? Interessiert es sich für Buchstaben und Zahlen? Kennt es die Farben?
  • Kann es bis 10 zählen?
  • Kann es mindestens 4 Dinge auf einen Blick erkennen, ohne sie abzuzählen?
  • Kann es sich gut orientieren oder verwechselt es noch die Richtungen (oben, unten, vorne, hinten, neben, zwischen,)?
  • Kann es Namen und Adresse sagen?
  • Versteht es kleine Geschichten? Kann es den Inhalt folgerichtig wiedergeben?
  • Versteht es Aufträge, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig gestellt werden?

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